Sonntag, 13. Dezember 2015

Lesefieber

Heute gibt es nichts über meine Schreiberei, heute preise ich fremde Bücher an, und zwar ein Genre, das in die Jahre gekommen ist, mit dem ich aber aufwuchs und das meine Schreibvorlieben geprägt hat.


Sollte ich einen Namen für dieses Genre wählen, wäre es Romantikthriller. In den Achtzigern gab es von Heyne eine Reihe diverser Autorinnen, die diesen Titel trug. Im Mittelpunkt stand immer eine junge Heldin, die ein Abenteuer erlebt, meistens musste sie ein Verbrechen aufklären und findet dabei den Mann ihrer Träume.
Es ist faszinierend, wie vielseitig sich dieses Grundthema, das ja auch meine Romane prägt, variieren lässt.
Neben den dünnen 'Heynerosen' finden sich aber auch Einzelwerke, die heute noch lesenswert sind.


Zwei Hauptrichtungen lassen sich feststellen, einmal der Roman, der in der Gegenwart spielt - heute wirklich schon deshalb spannend zu lesen, weil die Geschichten authentisch in den Fünfzigern, Sechzigern und Siebzigern spielen.
Und dann die historischen Romane, meistens in romantischer Umgebung angesiedelt. Fast immer gibt es mindestens ein Schloss und einen geheimnisumwitterten Schlossherrn, Rebecca von Daphne du Maurier lässt grüßen.
Herrlich zum Schwelgen und wunderbar zum Abschalten, wenn man richtig in eine Welt mit Happyendgarantie eintauchen will. 


Exemplarisch möchte ich euch Die Feuer von Glenlochy vorstellen, das ich nicht im Original aus den Siebzigern, sondern als Taschenbuch aus den Neunzigern besitze, entsprechend gruselig ist das Cover.


Ich frage mich immer wieder, was sich Verlage dabei denken, eine schwarzhaarige Schönheit aufs Cover zu pressen, wenn die 'Protine' im Roman betont auffallend rote Haare hat. Der klassizistische Herrensitz im Bildhintergrund passt auch überhaupt nicht, denn es geht um ein schottisches Schloss, eine alte Burg an der wilden Westküste im Hochland.
Also dunkeln wir das missratene Bild besser ab und wenden wir uns dem feurigen Inhalt zu.


Wie viele dieser Romane ist auch dieser in der Ich-Form geschrieben. 
Die junge Marietta wächst in Paris auf und kehrt nach dem Tod ihres Vaters in dessen schottische Heimat zurück. Dort begegnen ihr gleich zwei faszinierende Männer:
Richard, den natürlich reichen und gutaussehenden Engländer, verabscheut sie als aufrechte Schottin im Jahre 1770.
In Coll, den Bastard ihres Großvaters, dagegen verliebt sie sich in der Sekunde ihres Kennenlernens.
Das Schloss Glenlochy könnte romantischer nicht sein, ein altes, schauriges Gemäuer auf einer hohen Klippe am Meer. Das Personal ist rundum finster, verdächtig, intrigant, wie es sich gehört. Auch die böse Haushälterin fehlt nicht.
Mariettas Großvater, der alte Clan-Chef, ist selbstredend uralt und wird wie üblich in derlei Geschichten optisch mit einem Raubvogel verglichen - irgendwann ist er verblichen und Marietta erbt die Burg.
Voller Mitgefühl mit dem armen Coll und schwer verliebt in ihn verkündet sie, dass sie ihn heiraten möchte.
Und das Drama nimmt seinen Lauf...


Der Showdown hat ein paar kleine unlogische Schwächen, abgesehen davon bietet der Roman alles, was das Romantikerinnenherz begehrt: Zwei unwiderstehliche Männer, die um die wunderschöne Heldin rangeln, traumhafte Landschaft, gut lesbaren Stil und einen Plot, der sich perfekt zuspitzt, bis Glenlochy in einem Flammeninferno untergeht.


Richard und Coll werden relativ differenziert gezeichnet, man kann mit beiden mitempfinden. Die Protine lässt uns an all ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben, ohne dass sich diese ständig wiederholen oder übermäßig viel Raum einnehmen.
Lustig und auffallend ist lediglich das Wörtchen 'töricht'. Das scheint zu dieser Art Historienromane zu gehören wie der Ball zur Königin.



Witzig finde ich auch die Informationen über die Autorin Constance Heaven. Laut Klappentext im Buch handelt es sich um eine Dame aus Offenbach am Main, wo sie mit Familie in einem Bauernhaus lebte. Laut Wikipedia ist sie eine 1911 geborene Engländerin. Da der Roman übersetzt wurde und im Original laut Impressum The Fires of Glenlochy heißt, darf sich jeder seinen Teil dazu denken. Ich kapiere bis heute nicht, was diese ganzen Autorenflunkereien sollen.


Was mir an diesen leicht angestaubten Romanen gefällt, ist ihre Mischung aus Spannung und Romantik, sie sind lebendig, ohne derb zu werden, sie erfüllen die Stereotype auf überraschende Weise und grenzen sich von den modernen Roman-Töchtern oft durch eine gewisse Zurückhaltung ab, die genug Raum für die eigene Fantasie lässt. 
Und so lautet meine Lese-Empfehlung für die Weihnachtstage:  Wildert mal wieder in der alten Romangarde, denn dort finden sich ungeahnte Schätze, die zu vergessen schade wäre. Irgendwann werden diese Bücher auch antiquarisch kaum noch zu bekommen sein.
Meine Sammlung rücke ich nicht raus.

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