Samstag, 6. Juni 2015

Was würdet ihr denken?

Erinnert ihr euch noch, was Lucie im Showdown von 'Zündstoff' erleben musste? Im Mittelpunkt stand dieser Turm:



Seit ich dem Schleswiger Wikingturm dieses 'literarische Denkmal' gesetzt habe, finde ich ihn zwar immer noch hässlich, aber irgendwie auch fotogen.


Man sieht ihn praktisch von überall.


Ob Lucie das gefällt? Ich vermute, ihr wäre es lieber, er würde sich brav hinter ein paar hübschen Bäumen verstecken. Denn er erinnert sie sicher ständig an das, was ihr dort beinahe passiert wäre.


Inzwischen sind ein paar Monate vergangen, langsam kehrt Normalität in Lucies Leben ein. Der Sommer war herrlich und rosarot.



Aber dann ...

Die Bremsen kreischten nicht. Sie blieben stumm, erschreckend stumm. Dafür jaulte der Motor umso lauter. Plötzlich, aggressiv, ein Angriff aus heiterem Himmel – und heiter war dieser Freitagabend Ende August.
Es dämmerte bereits, als Lucie heimwärts radelte. Sie war in Fahrdorf gewesen, bei Neele Lorenzen, die dort ein kleines Geschäft betrieb, in dem man alles bekam, was das Einrichtungsherz höherschlagen ließ. Dadurch hatten sie sich Anfang des Sommers auch kennengelernt. Lucie hatte ins Schaufenster geguckt und war spontan in den Laden gegangen, wo ihr Neele gleich vier Müslischalen verkauft hatte. Seitdem war aus der Bekanntschaft und wegen Lucies Begeisterung für Neeles Krimskrams Freundschaft geworden.
An diesem Spätnachmittag hatten sie sich richtig festgequatscht, Lucie hatte schon vor Stunden fahren wollen, weil sie eigentlich von der arbeitsreichen Woche erledigt war, aber es hatte viel zu bekakeln gegeben. Nun radelte sie endlich heimwärts, einen grüngemusterten Teller mit Apfeldekor im Gepäckträger, den sie nicht wirklich brauchte. Ragnar würde lästern … der Teller zerscherbte vernehmlich, als Lucie mit ihrem Rad umkippte. In das Scheppern mischte sich der brummende Automotor. Aber kein Bremsgeräusch.
Lucie landete auf Händen und Knien, der Lenker bohrte sich schmerzhaft in ihren Bauch, egal. Sie rappelte sich auf, kroch im ersten Moment, hechtete irgendwie zur Seite, dann kam sie auf die Füße. Neben ihr war das Auto, unter dem Auto ihr Fahrrad. Der Motor jaulte. Lucie wankte auf die Wand eines Maisfeldes zu, die ihr gewöhnlich ein Stirnrunzeln entlockte. Sie debattierte oft mit Neele, ob es sich lohnte, eine Anti-Vermaisungskampagne zu starten.
Jetzt sah der Mais wunderschön aus, starke, dichte, grüne Halme, übermannshoch. Sie versperrten die Sicht und sie gewährten Schutz. Lucie sprang hinein, schnitt sich die Hände an den scharfen Blättern, spürte das kaum. Sie tauchte ein in den Maisdschungel und draußen, an der Straße, verklang der jaulende Motor. Lucie sah kaum mehr als einen Schemen, der mit Vollgas in der Dämmerung verschwand.
Der Fahrer hatte nicht angehalten. Er ließ das zerbeulte Rad am Straßenrand liegen. Und er ließ Lucie im Maisfeld zurück, wo sie stand, zitternd, schwer atmend. Geschockt.
Die Bremsen waren stumm geblieben.




Lucie ist sofort überzeugt, dass ihr jemand nach dem Leben trachtet. Kein Wunder, finde ich, nach allem, was sie im 'Zündstoff' durchmachen musste.



Aber hat sie recht? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?
Ab nächster Woche könnt ihr die Antwort in meinem neuen Ebook 'Mord am Schleiufer' lesen, und auch, wie es privat in Lucies Leben weitergeht. Denn das wird turbulent. 

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