Samstag, 26. Dezember 2015

Weihnachtsbummel mit Lucie

Lucie und Ragnar haben Heiligabend bei Lucies Eltern verbracht, für die zwei fast so spannend, wie wenn sie einen Verbrecher jagen, denn es war das erste Mal dort gemeinsam, alles neu, trubelig und aufregend. Zu Lucies großer Freude haben ihre Eltern den künftigen Schwiegersohn gleich ins Herz geschlossen.
Trotzdem war Ragnar ganz froh, als es wieder nach Hause in seine Werft am Schleiufer ging. Da kann er vor sich hin werkeln, ein bisschen an den Booten arbeiten und davon träumen, was er im nächsten Sommer bauen will.
Derweil hat Lucie den neuen Krimi gelesen, den sie von Linus geschenkt bekommen hat, mit einem Augenzwinkern, denn der Täter ist der Bruder der Heldin.
Nun ist es dunkel geworden, Lucie hat Ragnar beschwatzt, doch noch zu einem Schaufensterbummel nach Schleswig zu fahren.


Ragnar verweilt vor anderen Geschäften als Lucie.



Dann fängt es auch noch an zu regnen ... Ragnar stapft unverdrossen weiter...


... Lucie würde gerne umkehren ..., 


...bis sie vor dem schönen Portal steht, das Erinnerungen an den letzten Frühling in ihr weckt. Damals war sie ganz neu in Schleswig und voller Ängste, weil sich ein Bombenleger an ihre Fersen geheftet hatte.


Schnell rennt sie über den regennassen Platz. 


Ragnar nimmt sie in den Arm, sie kuschelt sich an ihn.


Auf einmal ist die Welt wieder hell und warm.
Gemeinsam schlendern sie weiter, um die erleuchteten Fenster zu bewundern.



Sie sind sich einig: das ist am schönsten.


Und hier würde Lucie zu gerne mal hinter die Gardine spähen.


Dann zeigt sie Ragnar, wo sie sich zu dem Weihnachtsgeschenk für ihn inspirieren ließ. Natürlich hat er ein Schiff von ihr bekommen, aber eines fürs Haus.


Arm in Arm schlendern sie durch die gemütlichen Gassen.



"Lass uns nach Hause fahren", flüstert Ragnar Lucie ins Ohr.





Montag, 14. Dezember 2015

Ankunft

Ich liebe nicht nur Romantikthriller, sondern auch stimmungsvolle Gebäude als Schauplätze.
Leider kann ich nicht malen, darum muss ich mit Worten zeichnen.
Hier mal der Beginn vom ersten Kapitel des Romans, an dem ich gerade schreibe.
Viel Spaß beim Lesen. (Der Text ist noch vorläufig, da wird sich bestimmt noch das eine oder andere Detail ändern.)


Das Grandhotel Stella Maris sei von der Strandstraße aus über einen befahrbaren Weg zu erreichen, hatte man mir gesagt. Den solle ich nehmen. Darum lief ich nicht bis zum Ende der Promenade bei den Klippen, sondern stoppte dort, wo die Strandstraße an der Promenade endete. Einen innigen Moment lang sah ich noch einmal aufs Meer hinaus, weil ich mich von dem Anblick schwer trennen konnte. Die kabbelige See war von undefinierbarem Graublau, eher düster und drohend, obwohl der Himmel in meinem Lieblingsblau strahlte. Doch just vor die Sonne hatte sich eine Wolke geschoben, Vorhut einer tiefgrauen Bank, die diesem Februartag noch früher ein Ende bereiten würde.
Fröstelnd wandte ich mich ab und ließ mich vom Westwind in die Strandstraße schubsen, die in rechtem Winkel auf die Promenade traf. Hier reihte sich Villa an Villa, hohe Kästen mit steilen Dächern, zahllosen Erkern, klappernden, geschlossenen Fensterläden und sich vor den Böen duckendem Gesträuch in den Gärtchen. Sämtliche Villen schienen unbewohnt zu sein. Das Leben würde erst mit den langen Tagen zurückkehren, wenn die Familien und Freunde der Oligarchen ihre Sommerfrischen bezogen, um dem ungesunden Klima der Hauptstadt zu entfliehen.
Auf der linken Straßenseite erhob sich ein besonders großes Gebäude mit einer langen Veranda, das in frischem Weiß glänzte, als wäre es jüngst gestrichen worden. Im Sommer öffneten ein paar kleine Läden darin ihre Pforten, jetzt wirkte alles tot. Ich wurde vom Wind daran vorbeigeschoben und hätte ich einen Schirm aufgespannt, wäre ich in einer plötzlichen Böe womöglich abgehoben. Mein Mantel verhedderte sich zwischen den Beinen, sodass ich ins Stolpern geriet.
Schnell rettete ich mich in den Windschutz der Veranda, um meine Kleidung zu ordnen. Ich wollte nicht wie ein zerzaustes Waisenkind vorsprechen. Mein Mantel war neu und von guter Qualität, auch wenn mir seine Farben zu hell erschienen. Darin würde ich ständig Acht geben müssen, sonst sah er bald schmuddelig aus, und Geld für noch einen Mantel dieser Jutequalität besaß ich nicht.
Ärgerlich schüttelte ich die wadenlangen Schöße zurecht. Was hielt ich mich mit dem blöden Mantel auf, das war bloß ein Vorwand, weil ich mich fürchtete. Am liebsten wäre ich zur Promenade zurückgelaufen, wäre runter an den Strand gestiegen, hätte die Schaumflocken gefangen … „Reiß dich zusammen!“, mahnte ich mich. Dann schritt ich zügig aus.
Gleich hinter dem Haus mit den Läden war die Zufahrt zum Stella Maris. Jenseits davon begann eine Reihe Giebelhäuschen, die den Villenbewohnern gegenüber womöglich ein Dorn im Auge waren. Oligarchen hielten sich lieber fern vom Volk.
Erneut mahnte ich mich, meine Gedanken zu sammeln. Wenn ich in dieser Verfassung vorsprach, konnte ich mich ebensogut im Meer ersäufen.
Ich schwenkte in die Auffahrt ein, geriet in den Windschatten, zur Linken das Ladengebäude, dahinter ein netter Garten, in dem man wohl während des Sommers Eis essen konnte. Zur Rechten öffnete sich ein Bereich mit hölzernen Schuppen, die dringend einen neuen Anstrich benötigten. Dann gelangte ich zu zwei mannshohen Ziegelsteinpfosten, die die eigentliche Hotelzufahrt markierten. Als ich hindurchschritt, meinte ich, ab jetzt gebe es kein Zurück mehr.
Plötzlich tauchte die Sonne hinter den Wolken hervor. Wie ein gutes Omen wies sie mir den Weg, der einen flachen Hang hinaufführte. Er war nicht geteert, aber gut gepflegt, sodass keine tiefen Rinnen im sandigen Grant störten, lediglich ein paar Eispfützen schimmerten in der Frostluft. Beidseitig wuchs winterlich braunes Gras, aber zur See hin erstreckte sich ein Park mit schönem, teils immergrünem Baumbestand. Die Wipfel wiegten sich im Wind, dazwischen sah ich das Meer, und die Sonne tat ihr Bestes, um mir ein begeistertes „Ah“ zu entlocken. Wie schön es hier sein konnte, das hatte ich vorher nicht bedacht.
Die Landseite wurde von einem großen, freien Bereich eingenommen, der mit einem Hauch von Schneekristallen überzuckert war, dahinter standen verschiedene Gebäude vor bewaldeten Randdünen, sodass ich nicht sehr weit schauen konnte. Das war mir egal, denn jetzt drängte sich das Grandhotel in mein Blickfeld. Bezwingend. Ich hatte es mir nicht so imposant vorgestellt, auch wenn ich wusste, dass es das bedeutendste Hotel von Margelan war – nur war Margelan seit dem Handelsembargo der Nordländer zu einem Provinznest herabgesunken. Die alten Handelswege waren allenfalls noch für Schmuggler interessant.
Das Stella Maris glich einem Schloss. Es erhob sich siegreich auf der Kuppe des Hügels, und je näher ich kam, umso mächtiger wirkte es. Sicherlich lag das auch an seiner erhöhten Position, nicht nur an der schieren Größe. Im Licht der tiefstehenden Sonne leuchtete der Backstein umso intensiver, ein unvergleichliches Rot, das Glücksgefühle in mir auslöste. Sie wurden durchzogen von einem Unbehagen, das mit jedem Schritt, den ich auf die rote Wand zuging, wuchs.
Die Wand hatte Augen – Fenster, bodentiefe im Hochparterre, teils zu einer Terrasse führend, im Mezzaningeschoss darüber waren sie kreisrund, in der Beletage, die das zweite volle Geschoss bildete, rechteckig mit balustergeschmückten Balkonen, auch der vierte Stock, der wieder niedrigere Decken zu besitzen schien, hatte runde Fenster und beherbergte wohl keine Repräsentationsräumlichkeiten, aber die unheimlichsten Augen blickten mich aus der spatelförmigen Dachetage an, halbrunde Schlafzimmeraugen, die mit regelmäßig angeordneten Mansarden aus dem Schiefergrau hervorquollen wie die Stielaugen eines gigantischen Insekts. Sofort war ich überzeugt, dass ich aus mindestens einem dieser Augen beobachtet wurde, und geriet ins Straucheln. Ich musste anhalten, um mich zu sammeln.
Die beiden Ecken des Hotels wurden von Türmen aus Sandstein eingenommen, der in allen Nuancen von Elfenbeinweiß über Blassgelb bis zu Ockertönen schimmerte. Der Seeseitige wirkte wie von einer grandiosen Feuerzunge in diesen Cremefarben geflammt, während der andere, zwar ebenso hoch, aber viel schmaler, an eine Holzsäule erinnerte.
Die seltsamen Ockerflammen auf dem Westturm erschienen mir sofort nachvollziehbar, als mich eine Böe traf, die durch den Park geschlüpft war und mich beutelte. Salzgeschmack legte sich auf meine Lippen, darum dachte ich, dass dieser Turm von Meer und Sturm gezeichnet worden war. Faserige Wolkenschlieren zogen darüber hinweg, strahlend weiß, grau und orange mit dunklen Streifen wurden sie vom Wind davongeweht wie zartes Himmelsgespinst.
Trotz der unheimlichen Aura des Hotels, trotz des kalten Sturms, der verlorene Schneekörnchen über den hart gefrorenen Boden wirbelte – und mir in den Mantel sauste, sodass ich erbärmlich fror – trotzdem … ja, trotz allem! Ich verliebte mich augenblicklich in das Stella Maris.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Lesefieber

Heute gibt es nichts über meine Schreiberei, heute preise ich fremde Bücher an, und zwar ein Genre, das in die Jahre gekommen ist, mit dem ich aber aufwuchs und das meine Schreibvorlieben geprägt hat.


Sollte ich einen Namen für dieses Genre wählen, wäre es Romantikthriller. In den Achtzigern gab es von Heyne eine Reihe diverser Autorinnen, die diesen Titel trug. Im Mittelpunkt stand immer eine junge Heldin, die ein Abenteuer erlebt, meistens musste sie ein Verbrechen aufklären und findet dabei den Mann ihrer Träume.
Es ist faszinierend, wie vielseitig sich dieses Grundthema, das ja auch meine Romane prägt, variieren lässt.
Neben den dünnen 'Heynerosen' finden sich aber auch Einzelwerke, die heute noch lesenswert sind.


Zwei Hauptrichtungen lassen sich feststellen, einmal der Roman, der in der Gegenwart spielt - heute wirklich schon deshalb spannend zu lesen, weil die Geschichten authentisch in den Fünfzigern, Sechzigern und Siebzigern spielen.
Und dann die historischen Romane, meistens in romantischer Umgebung angesiedelt. Fast immer gibt es mindestens ein Schloss und einen geheimnisumwitterten Schlossherrn, Rebecca von Daphne du Maurier lässt grüßen.
Herrlich zum Schwelgen und wunderbar zum Abschalten, wenn man richtig in eine Welt mit Happyendgarantie eintauchen will. 


Exemplarisch möchte ich euch Die Feuer von Glenlochy vorstellen, das ich nicht im Original aus den Siebzigern, sondern als Taschenbuch aus den Neunzigern besitze, entsprechend gruselig ist das Cover.


Ich frage mich immer wieder, was sich Verlage dabei denken, eine schwarzhaarige Schönheit aufs Cover zu pressen, wenn die 'Protine' im Roman betont auffallend rote Haare hat. Der klassizistische Herrensitz im Bildhintergrund passt auch überhaupt nicht, denn es geht um ein schottisches Schloss, eine alte Burg an der wilden Westküste im Hochland.
Also dunkeln wir das missratene Bild besser ab und wenden wir uns dem feurigen Inhalt zu.


Wie viele dieser Romane ist auch dieser in der Ich-Form geschrieben. 
Die junge Marietta wächst in Paris auf und kehrt nach dem Tod ihres Vaters in dessen schottische Heimat zurück. Dort begegnen ihr gleich zwei faszinierende Männer:
Richard, den natürlich reichen und gutaussehenden Engländer, verabscheut sie als aufrechte Schottin im Jahre 1770.
In Coll, den Bastard ihres Großvaters, dagegen verliebt sie sich in der Sekunde ihres Kennenlernens.
Das Schloss Glenlochy könnte romantischer nicht sein, ein altes, schauriges Gemäuer auf einer hohen Klippe am Meer. Das Personal ist rundum finster, verdächtig, intrigant, wie es sich gehört. Auch die böse Haushälterin fehlt nicht.
Mariettas Großvater, der alte Clan-Chef, ist selbstredend uralt und wird wie üblich in derlei Geschichten optisch mit einem Raubvogel verglichen - irgendwann ist er verblichen und Marietta erbt die Burg.
Voller Mitgefühl mit dem armen Coll und schwer verliebt in ihn verkündet sie, dass sie ihn heiraten möchte.
Und das Drama nimmt seinen Lauf...


Der Showdown hat ein paar kleine unlogische Schwächen, abgesehen davon bietet der Roman alles, was das Romantikerinnenherz begehrt: Zwei unwiderstehliche Männer, die um die wunderschöne Heldin rangeln, traumhafte Landschaft, gut lesbaren Stil und einen Plot, der sich perfekt zuspitzt, bis Glenlochy in einem Flammeninferno untergeht.


Richard und Coll werden relativ differenziert gezeichnet, man kann mit beiden mitempfinden. Die Protine lässt uns an all ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben, ohne dass sich diese ständig wiederholen oder übermäßig viel Raum einnehmen.
Lustig und auffallend ist lediglich das Wörtchen 'töricht'. Das scheint zu dieser Art Historienromane zu gehören wie der Ball zur Königin.



Witzig finde ich auch die Informationen über die Autorin Constance Heaven. Laut Klappentext im Buch handelt es sich um eine Dame aus Offenbach am Main, wo sie mit Familie in einem Bauernhaus lebte. Laut Wikipedia ist sie eine 1911 geborene Engländerin. Da der Roman übersetzt wurde und im Original laut Impressum The Fires of Glenlochy heißt, darf sich jeder seinen Teil dazu denken. Ich kapiere bis heute nicht, was diese ganzen Autorenflunkereien sollen.


Was mir an diesen leicht angestaubten Romanen gefällt, ist ihre Mischung aus Spannung und Romantik, sie sind lebendig, ohne derb zu werden, sie erfüllen die Stereotype auf überraschende Weise und grenzen sich von den modernen Roman-Töchtern oft durch eine gewisse Zurückhaltung ab, die genug Raum für die eigene Fantasie lässt. 
Und so lautet meine Lese-Empfehlung für die Weihnachtstage:  Wildert mal wieder in der alten Romangarde, denn dort finden sich ungeahnte Schätze, die zu vergessen schade wäre. Irgendwann werden diese Bücher auch antiquarisch kaum noch zu bekommen sein.
Meine Sammlung rücke ich nicht raus.

Sonntag, 29. November 2015

Lucie ermittelt

Lange habe ich mein Blog vernachlässigt, doch nun wird es Zeit, es mit einem neuen Post zu füttern. Momentan gibt es bei den Büchereulen eine Leserunde zu Mord am Schleiufer, Lucies zweitem Krimiabenteuer.
Dazu passend habe ich ein paar Schauplatzfotos für euch herausgesucht.


Alles beginnt mit dieser Aussicht - oder nein, Lucie muss auf die wundervolle Aussicht verzichten, weil ihr ein Maisfeld den Blick verwehrt, als sie eines späten Sommerabends nach Hause radelt. Darüber wird sie aber sehr froh sein...


Dabei ist sie gerade überglücklich, schließlich hat sie sich frisch verlobt und wohnt quasi im Paradies. Ihr Häuschen sieht diesem durchaus ähnlich.


Doch dann kommt es knüppeldicke. Lucie findet eine Leiche. Zu dem im Roman beschriebenen Schauplatz hat mich dieser lauschig gelegene Steg inspiriert - ich liebe schöne Schauplätze und grausige Ereignisse.


Ihre Ermittlungen führen Lucie in das besinnliche Touristenstädtchen Eckernförde und nach Flensburg, wo sie glatt Colya begegnen könnte, meinem 'Helden' aus einem anderen Roman.


Aber das passiert nicht. Stattdessen befragt sie eine Verdächtige oder Zeugin (wer weiß), die bestimmt jeden Morgen hier entlangjoggt, um ihre gute Figur zu erhalten:


Manchmal darf Lucie natürlich auch verschnaufen, etwa, wenn sie mit ihrem Verlobten gemütlich im Hafen von Maasholm Fischbrötchen isst.


Da ist der kleine schwanzlose Spatz, dem ich ein schriftstellerisches Denkmal gesetzt habe. Er beweist, dass ich eigentlich gar keine Märchen erzähle.


Unweit dieses uralten Baums macht Lucie eine wichtige, aber sehr beunruhigende Entdeckung auf ihrem Spaziergang an der Schlei.


Und dann hängt irgendwann ihr Leben davon ab, ob diese malerische Fähre rechtzeitig übers Wasser setzt.



Wenn ihr wissen wollt, wie sich all diese Schauplätze zu einem 'cosy' Regiokrimi verweben, dann begebt euch hierher:

http://www.amazon.de/gp/product/B00XPSBQOI/ref=s9_simh_gw_p351_d0_i2?pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_s=desktop-2&pf_rd_r=1DRYPGQFRA9S67ZFHB9K&pf_rd_t=36701&pf_rd_p=585296387&pf_rd_i=desktop 



Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und eine schöne Adventszeit.
Eure Gea

Mittwoch, 2. September 2015

Boote

Niemand kann aus seiner Haut - das gilt auch für uns Autoren. Ich kann weder wie Dan Brown schreiben, noch wie Barbara Cartland oder wie Thomas Mann, selbst wenn ich das manchmal gerne würde.


Und so hat jeder Autor seinen Wiedererkennungseffekt - im Stil, aber auch in den 'Elementen', die immer wieder in den Romanen eine Rolle spielen.


Bei mir gehören zum Beispiel Boote und Schiffe dazu - Boote sind die kleinen, Schiffe die großen, und ich liebe sie alle.


Warum das so ist? Vielleicht, weil ich am Meer geboren wurde und mit Bootchen aufgewachsen bin. Hafenschlendern gehört noch heute zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.


In den Romanen Zündstoff und Mord am Schleiufer spielt eine Werft eine Rolle, und natürlich auch die Boote, die dort gebaut werden, schöne, traditionsreiche Holzsegler, für die ich ins Schwärme geraten kann, genau wie meine Protagonisten.


Im Flensburger Intermezzo dreht sich sogar alles um eine Segelyacht, eine nachtblaue Diva mit Vergangenheit:

Meine Yacht.“ Colya ließ die Worte auf der Zunge zergehen, während er dem leisen Echo glucksender Wellen unter dem Rumpf lauschte. Er lag auf dem Vorschiff, den Kopf auf der äußersten Spitze zwischen den blinkenden Chromgeländern gebettet, sodass er seine Yacht vor Augen hatte. Unter sich spürte er die soliden Teakholzplanken, die nach gut einem Jahr an der frischen Ostseeluft erst leicht vergraut waren. 


Colya möchte am liebsten sofort lossegeln, aber vorher muss er noch einen Killer jagen und Maibritt glücklich machen.


Keine Regel ohne Ausnahme?
Der Flug des Schneekranichs spielt in den verschneiten Alpen, in einem malerischen Chalet, auf einer italienischen Burg und ... in Hamburg. Dort beginnt Ivolas Abenteuer, und ich habe natürlich meine Chance genutzt.

Sie erklommen die verwinkelten Gassen von Blankenese und genossen schweigend die sich immer wieder neu präsentierenden Aussichten auf die Elbe und die am anderen Ufer wuchernden Industriehäfen. Ein Containerschiff schob sich über den Strom zum Meer. Ivola seufzte voller Fernweh. „Wohin mag der fahren? Ich war seit drei Jahren nicht mehr im Urlaub...


Ivolas Fernweh wird erhört, allerdings dauert ihr 'Urlaub' ein bisschen länger als geplant.
Und mir spuken neue Schiffe durch den Kopf, bin wohl eine fliegende Holländerin :)


Sonntag, 12. Juli 2015

Maibritts Heimat

Maibritt ist die 'Protine' aus meinem Krimi Flensburger Intermezzo. Sie ist Rechtsreferendarin und sie wohnt in einer der hübschesten Straßen von Flensburg, das erwähnte ich ja schon mal - und auch, dass ich euch Fotos von dieser Straße zeigen möchte.

Inzwischen habe ich eifrig geknipst, trotzdem bin ich in der letzten Woche recht nachdenklich geworden. Zum einen hat mich das Thema Panoramafreiheit beschäftigt, also unser Recht, von der öffentlichen Straße aus zu fotografieren und die Bilder öffentlich zu zeigen, evtl. sogar sie kommerziell zu nutzen. In der EU waren Stimmen laut geworden, dass man dieses Recht einschränken möchte.
Zum Glück hat sich die Mehrheit gegen diese Restriktionen ausgesprochen, sodass man jetzt hoffen kann, dass die Änderungen im Sinne der freien Nutzung durchgeführt werden.
Es wäre zu schade, wenn wir schöne Bauwerke nicht mehr zeigen dürften.

So weit, so gut, möchte man sagen. Leider hatte ich diese Woche persönlich ein unerfreuliches Erlebnis. Ich habe rein zufällig entdeckt, dass jemand ein Foto von mir kommerziell nutzt, ohne mich zu fragen, und dass er dazu mein Kürzel nok entfernt hat.
Nun frage ich mich, wie oft das schon passiert ist, ohne dass ich das bemerkt habe.

Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, wenn meine Bilder weiterverwendet werden, aber doch bitteschön erst, nachdem man mich vorher gefragt hat. Und eine kommerzielle Nutzung ohne mein Wissen geht gar nicht!!!
Insofern fällt es mir heute schwerer als sonst, meine Fotos von Maibritts Straße zu zeigen. Dennoch halte ich mein Versprechen.



So ungefähr könnte Colya, der 'Held' aus dem Flensburger Intermezzo, die Straße erlebt haben, als er an jenem Sommermorgen zu Maibritt geht, um herauszufinden, ob ihr Freund Sven bei ihr ist - Colya hatte Sven zum Mitsegeln angeheuert, aber der ist nicht gekommen. Und er bleibt vorerst unauffindbar, was sich zu einer argen Prüfung für Maibritt entwickelt.


In einer Gasse mit vielen alten Häusern muss auch ständig renoviert werden. Ein Haus nach dem anderen wird noch schöner gemacht. Schmuckkästchen reiht sich an Schmuckkästchen.


Die Straße und ihre Nebenwege, die zu schmal für Autos sind, schlängeln sich einen malerischen Hang hinauf. Die Bebauung ist vielseitig, vom winzigen Kapitänshäuschen bis zu Mehrfamilienhäusern aus der Gründerzeit findet sich alles, was schön ist.


Im Frühsommer blühen die Rosen, danach überall bunte Malven.


Mal sind die abschüssigen Gassen geheimnisvoll - ideal als Krimischauplätze :) ...


... mal lieblich und einladend. Kein Wunder, dass auch das Flensburger Intermezzo nicht nur Mord und Totschlag enthält, sondern ein gehöriges Prickeln zwischen  Maibritt und Colya.


Wunderschön im Sommer die Blumen - ich könnte mich dumm und dämlich knipsen - und ich bitte euch alle, wenn ihr Fotos haben wollt, fragt mich oder fahrt selbst nach Flensburg.



Die Stadt ist wirklich eine Reise wert.
Eure Gea