Montag, 1. Dezember 2014

Schleswig fiktiv

Als mir der Verlag den Coverentwurf von 'Zündstoff' geschickt hat, habe ich mich total gefreut, weil das Bild mit den düsteren, aber feurigen Wolken und der norddeutsch wirkenden, unschuldig weißen Häuserzeile prima zur Stimmung des Romans passt.


Tatsächlich zeigt das Foto nicht Schleswig, sondern liefert nur eine Illusion, darum habe ich gleich mal probiert, das Bild mit meinen eigenen Aufnahmen nachzustellen.
Echte Schleswiger Häuser und ein dramatischer Wolkenhimmel:



Dann hieß es tüfteln. Mit meinen begrenzten Bordmitteln kam schließlich das heraus:


Ist das jetzt real?
Mitnichten. Nicht einmal eine Giraffe mit langem Hals hätte diesen Anblick, obwohl die Himmelsrichtung stimmt und man wohl über die Dächer hinweg ungefähr über die Schlei zum Wikingturm guckt (das ist das spargelige Hochhaus am Horizont).

Genau wie die Bilder zeigt auch mein Roman nicht das reale Schleswig - ich wage mal zu vermuten, dass kein Regio-Krimi die Schauplätze real zeichnet, egal wo er spielt. Als Autor muss man immer Konzessionen machen.
Der Plot verlangt nach einem Haus an einer Stelle, wo sich in echt ein Teich befindet, oder umgekehrt. Viele wollen auch nicht, dass ihre Geschäfte oder anderes Eigentum in einem Roman erscheint, dann heißt es Ähnlichkeiten zu erfinden, die genug Eigenständigkeit besitzen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.



Lucie begegnet im Roman zwei Männern: Malte und Ragnar, die exemplarisch zeigen sollen, wie ich Schleswig verfremdet habe:


Schön, die Schleiufer? Genau an dieser Stelle habe ich für Ragnar eine kleine Werft gebaut, wo er vor sich hinwerkeln kann, wenn er nicht grade ...



Malte wohnt im Schatten des Wikingturms. Lassen wir ihn mal selbst erzählen:

"Unser Haus wird dir gefallen, wo du Architektin bist. Es ist im klaren Stil der Sechziger gebaut worden, frei von überflüssigen Schnörkeln. Wir haben eine tolle Aussicht auf Schloss Gottorf, denn es steht auf der kleinen Landzunge, wo auch der Wikingturm gebaut wurde. Früher befand sich dort der Alte Garten von Schloss Gottorf.“

Und siehe da, links hinter den Nebeln auf dem Foto könnte sich genau solch ein Haus verstecken:


Vom Panorama habe ich nur eine dunkle Skyline - links steht der Wikingturm, rechts erkennt man mit gutem Willen das Schloss:


Es könnte also sein, dass Maltes Haus sich unauffällig zwischen die anderen mogelt ... und genau darum geht es mir.
Regiokrimi bedeutet für mich nicht, dass ich mich sklavisch an die Realitäten halte, sondern dass ich ein 'Es-wäre-möglich' schaffe.
Meine Schauplätze sollen stimmig sein, trotzdem möchte ich mir alle Möglichkeiten erhalten, die mir die Fantasie bietet.

Dass ich trotzdem viele reale Orte und Häuser in 'Zündstoff' verwendet habe, zeige ich euch ein andermal, jetzt gibt es noch zwei schöne Schleswig-Fotos, die kein bisschen Realität zeigen, weil die Motive extrem herangezoomt worden sind. Beim Dom frage ich mich direkt, von wo ich das wohl geknipst habe.



Schleswig ist auf jeden Fall eine wunderbare Kulisse für dramatische Dreiecksgeschichten.









Kommentare:

  1. Hach, klingt gut uuuuund - schaut gut aus! Die Vorstellung der kleinen Werft am Schleieufer finde ich besonders zauberhaft.

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  2. Ich find's immer toll, Bilder zur Geschichte mitgeliefert zu bekommen. Da kann man sich gleich noch besser hineinfühlen. Danke schön.
    En liebe Gruess und viel Erfolg!
    Alex

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